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Station 6: Weberei - Vom Zentrum der Leineweber zum Textilstandort

N 50° 49.493 E 012° 32.859 - Haupteingang Firma Ernst Seifert, Otto-Schimmel-Straße

Welches Gewerk fehlt nun noch? Richtig, aus dem Garn entsteht der Stoff.

Die Geschichte der Glauchauer Tuchmacher begann bereits im 13. Jh. mit der Arbeit am Handwebstuhl. 1410 erhielten die Tuchmacher ihren Innungsbrief und gründeten 1528 die Weberinnung. In den Weberstuben, die zugleich Wohn- und Arbeitsraum waren, klapperten die Webstühle von früh bis spät. Vater saß am Webstuhl, Mutter drehte den Schärrahmen, die älteren Kinder halfen beim „Aufbäumen" und anderen Hilfsarbeiten und die Jüngsten der Familie saßen am Spulrad. Alle mussten mitarbeiten.
Bis zur Mitte des 19. Jh. entwickelten sich die Manufakturen mit mehreren Webstühlen zur vollen Blüte. Im Zuge der Industrialisierung entstanden danach erste Fabriken. In großen Sälen standen mit Wasserkraft (und später mit Strom) betriebene Webmaschinen. Der Lärm war ohrenbetäubend. Ein Webstuhl verursachte um 1900 ca. 115 dB Lärm, im Vergleich dazu ein Presslufthammer 80 dB, und in einem Websaal konnten bis zu 500 Maschinen stehen. Heute ist das unvorstellbar, vor 100 Jahren war es der Arbeitsalltag.
„Glauchaus Ruf im fremden Land ist gekrönt durch Webers Hand." Die Qualität und die Viel-falt der hiesigen Textilprodukte behaupteten sich gegenüber der englischen Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Glauchau entwickelte sich vom Zentrum der sächsischen Hausweberei zum Industriestandort von Weltruf und zum Sitz der deutschen Buntweberei.

Viele weitere unteressante Informationen zur Geschichte der Weberei in Glauchau finden Sie in den "Geschichten des Glauchauer Wehrdigts".

Die Firma Ernst Seifert wurde 1920 als Weberei für Damenkleiderstoffe aus Seide und Wolle gegründet (Güterbahnhofstraße 30). 1923 zog das Unternehmen in den Fabrikneubau an der heutigen Otto-Schimmel-Straße.1928 ließ Ernst Seifert vom Dresdener Architekten Krebs das große Geschäftshaus entlang der Straße errichten. Der Bau sollte „dem Fremden Reichtum, Größe und Bedeutung der heimischen Textilindustrie sinnfällig vor Augen führen", wie eine Glauchauer Zeitung 1928 schrieb. Nach der Fabrikerweiterung webte man mit großem Erfolg auf über 500 Webmaschinen hochwertige Damenoberbekleidungsstoffe vom Tageskleid bis zum Festkleid. Firmenvertretungen gab es in Berlin, Amsterdam, London, Paris, Mailand, Malmö, Montreal, Zürich und New York. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Firma enteignet und 1952 mit der Firma Boessneck & Meyer zusammengelegt. 1953 erfolgte der Zusammenschluss aller großen Glauchauer Webereien zum VEB Textilwerke Einheit. 1970 führte man alle Textilbetriebe im Raum Glauchau/Meerane im VEB Textilwerke Palla mit Hauptsitz hier in der Otto-Schimmel-Straße zusammen. Die Palla war mit ca. 4.400 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region. 40 Mio. m² klassischer und hochmodischer Gewebe wurden jährlich produziert und teilweise mit sehr anspruchsvoller Veredlung ausgerüstet. 1990 erfolgt die Umbenennung in die Palla Creativ GmbH & Co KG, welche 1998 nach St. Egidien umzog und 2012 schloss.

Viele Webereien entstanden in Glauchau. Die Größten und Bekanntesten waren die Weberei Tasch, später Hans Franz (gegründet d1847, ehemals Egghalde 1), Kratz & Burg (1854, heute Simmel-Markt), Ernst Boessneck, später Mechanische Weberei Lenk & Rüger (1858, ehemals gegenüber der Weinertschule), Boessneck & Meyer (1886, heute Scherbergplatz), Otto Boessneck & Co. (1887, Wehrstraße, heute Gelektra), Weberei Meyer & Schumann (1903, Agricolastraße, heute Hotel Meyer) und 1920 die Firma Ernst Seifert am hiesigen Standort.

Heute gibt es in Glauchau keine Weberei mehr, aber die Firma Richard Buschner (gegr. 1903) arbeitet früher als Musterzeichnerei und Jacquardkartenschlägerei und stellt heute noch Webdisketten und Jacquardkarten für Webereien im In- und Ausland her.

Aufgabe

Sie stehen vor der prunkvollen Eingangstür. Schauen Sie genau hin und lesen Sie auch das Schild rechts daneben.
Y = Anzahl der Fenster der Lokomotive + 1
Z = Zu wieviel Jahren Gefängnis wurde Ernst Seifert in Abwesenheit verurteilt?

Alle Stationen sind geschafft! Hier geht es weiter.

Bedeutende Webereien

Weberei Tasch (gegr. 1847), Egghalde (abgerissen)

Fa. Kratz und Burg (gegr. 1854) - Rudolf-Breitscheid-Straße

Ernst Boessneck, Weberei für Woll- und Seidengewebe - Schlachthofstraße (gegr. 1858), später Lenk & Rüger (gegr. 1875) ehemals gegenüber der Erich-Weinert-Schule

Mechanische Lohnweberei Ernst Falk (gegr. 1872) später Weberei Strauß & Leuschner (gegr. 1850), Johannisplatz/Groß Weberstraße

Boessneck & Meyer (gegr. 1886), Scherbergplatz

Otto Boessneck & Co (gegr. 1887), Wehrstraße

Weberei Meyer & Schumann (gegr. 1903), Agricolastraße, heute Hotel Meyer