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Station 1: Villenviertel – So wohnten die Fabrikanten

N 50° 48.861 E 012° 32.349 -  Villa Paul-Geipel-Straße 7

Zu Zeiten der Industrialisierung war es üblich, dass die Eigentümer der Fabriken in deren Nähe wohnten. So entstanden die ersten prächtigen Villen meist auf den Fabrikgrundstücken.
Mit zunehmendem Aufschwung stiegt die Zahl der Fabriken und rauchender Schornsteine vor allem im Wehrdigt. Die Luft sowie das Umfeld verschlechterten sich. So verlagerten die Fabrikbesitzer nach und nach ihre Familienwohnsitze in schönere, grünere Gebiete der Stadt. Ab 1865 entstand das Villenviertel zwischen Clementinen-, Martini- und Plantagenstraße. Es ist das größte zusammenhängende Villengebiet und steht unter Denkmalschutz.

Wohlhabende Glauchau Bürger, zumeist Fabrikanten, bauten die mehr als dreißig prunkvollen Villen. Sie sind oft von prächtigen parkähnlichen Gärten mit Laubengängen und Pavillons umgeben.
Wir finden verschiedene Baustile: Historismus (Lossow'sche Villa, Clementinenstraße 8), italienische Renaissance (Hellmich-Villa, Friedrich-Ebert-Straße), Jugendstil (Martinistr. 3,5) und Klassizismus (Bößneck-Villa, Plantagenstraße).

Damals war es Mode, exotische Pflanzen zu besitzen. Die prachtvoll blühenden Magnolien aus Asien fand man in nahezu jedem Villengarten. Heute existieren deshalb noch einige wunderschöne Exemplare. Die meisten Villen wurden liebevoll restauriert und erstrahlen in neuem Glanz.

Jugendstreiche: Für die exotischen Pflanzen gab es in viele Villengärten auch Gewächshäuser. Eine neue Errungenschaft waren um 1900 Tomatenpflanzen. Schnell sprach sich dies im Volke herum, denn die Tomaten sollten so wunderbar schmecken. Dies hörten auch die Kinder des Pächters vom Gründelteich. Die 10 Jungs witterten ein Abenteuer und stiegen oberhalb des Gründelteichs über den Zaun in einen der Gärten.
Das Gewächshaus mit den Tomaten war schnell gefunden und die Hosentaschen schnell mit den runden Früchten gefüllt. Außerhalb des Gefahrenbereichs wurden die Tomaten verkostet. Es dauerte nicht lange, und alle bekamen enorme Bauschmerzen und wenig später Durchfall und Erbrechen. Keiner hatte den Jungs gesagt, dass die Früchte erst rot werden müssen.

Die Villa Paul-Geipel-Str. 7 baute Kaufmann Heinrich Eduard Günther (Geschäftsräume Karlstr. 8) 1873 im Stil der Renaissance. Den Fries am Übergang zum Dach zieren Köpfe des Hermes bzw. des Merkurs (griechischer bzw. römischer Gott). Sie deuten auf die Handelstätigkeit des Erbauers hin. Nach Günthers Tod ging die Villa in den Besitz von Graf Clemens von Schönburg über.

Die Glauchauer Firmen handelten weltweit mit Textilien und Maschinen. Der umfangreiche Handel mit Amerika erforderte zahlreiche Abstimmungen mit dem amerikanischen Konsulat.
Auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung Glauchaus richtete das Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika 1900 in der Villa eine Außenstelle ein. Somit konnten die Verhandlungen gleich in Glauchau geführt und der Handel für alle Partner erleichtert werden. Dies spiegelt Glauchaus Bedeutung als einstige Stadt von Welt wider.

Aufgabe

Unterhalb des Daches sehen Sie ein Zierband (Fries), was sich von der Nordseite über Osten zur Südseite zieht.
A = Quersumme der Anzahl aller geflügelten Helme (auf Nord-, Ost- und Südseite)

Weiter geht es durchs Villenviertel die Wettiner Straße hinauf bis zur Sonnenstraße.