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Station 6: Nadelproduktion & Strickerei

N 50° 49.078 E 012° 32.510 - Markt 17

In unserer ersten Tour haben wir schon das Weben kennengelernt, um aus Garn einen Stoff zu machen. Von Eurer Oma kennt Ihr vielleicht auch noch das Stricken als weitere Möglichkeit.
In der Industrie geht Stricken natürlich etwas anders: Mit Zungennadeln werden nacheinander Maschen gebildet und ein Strickstoff entsteht. Wir kennen diesen heute alle von den T-Shirts.

Wo wurden diese Nadeln hergestellt? In der Glauchauer Chronik von Eckhardt (1882) steht: Im 18. Jh. gehörte das Gewerbe der „Nadler" zu den „hauptsächlichsten". Sie stellten in ihren Familien, wie hier am Standort Markt 17, zuerst Stecknadeln und später Strick-, Zungen- und Strumpfwirknadeln in großer Menge her. Diese waren „eingesteckt in Päckchen und roh im Gewicht" und wurden „auf Messen und außerhalb in großen Kisten versandt". Später wurden die Nadeln industriell hergestellt. Bedeutende Firmen waren „C. G. Fischer" und „Kirchhof & Sohn".

Zeitgleich entwickelte sich Limbach weltweit zum wichtigsten Hersteller für Handschuhe. Aus Oberlungwitz kam ¾ der Welt-Strumpfproduktion. Es ist anzunehmen, dass die Wirknadeln in großen Stückzahlen dort hin geliefert wurden. In dieser Zeit gab es auch in den Dörfern um Glauchau viele Familie, die in Heimarbeit aus Strickzuschnitten Handschuhe nähten.

Aber auch in Glauchau wurden Strickwaren hergestellt und verarbeitet. Fritz Rössler gründete 1874 eine Färberei in der Lilienstraße 4/5. Später erweiterte Rössler die Produktion u.a. um Strickerei und Konfektion und fertigte „kunstseidene, baumwollene und wollene Wirkwaren sowie feine Damenkonfektionsartikel".

Nach dem Krieg wurde das Unternehmen zum „VEB Textilia". Man stellte Herrenuntertrikotagen her, mit bis zu 1150 Mitarbeitern. Ab 1973 gehörte der Betrieb zum „VEB Texturseide Flöha" und produzierte Freizeit- und Badebekleidung.

Nach der politischen Wende kam der Betrieb zu den „Textilwerken Deggendorf". Später wurde er Teil der „Esda Vertriebs und Service GmbH" und stellte Texturgarne und Damenfeinstrumpfhosen her. Heute befindet sich am Standort die „Ofa Bamberg GmbH" und produziert medizinische Strümpfe.

Auch in einer weitere Firma wurden Strickwaren hergestellt.
1847 gründete Gustav von Tasch (Schauspieler und Kaufmann) die „Weberei Tasch" in der Plantagenstraße 7 (heute Eckhalde, Plantagenstr. 14). Das Unternehmen wuchs auf 300-750 Mitarbeiter. 1923 übernahm der Fabrikant Johann Hans Franz die Fabrik und nannte sie „Hans Franz Glauchau". Man stellte Kleiderstoffe her.

Nach der Enteignung 1953 ging das Unternehmen in die „Textilwerke Einheit" über und wurde 1970 „VEB Textilwerke Palla". Im Anschluss erfolgte die Umstellung der Produktion von Weberei auf Strickerei. Auf 71 Großrundstrickmaschinen wurden täglich 30.000 m² Rohwarengestrick im 3-Schichtsystem produziert. Eine Strickerin bediente 8-10 Maschinen. Die Produktionsvorbereitung und die Warenschauerei (Suche nach Strickfehlern und Ausbesserung) fanden ebenfalls an Ort und Stelle statt.
Danach gingen die Strickstoffe in die Wilhelmstraße, wo sie veredelt wurden (d.h. besondere Eigenschaften bekamen). 1990 wurde die Produktion eingestellt und 2009/10 die Fabrik abgerissen.

An all diesen Beispielen sehen Sie: Nichts ist so beständig wie der Wandel.

Aufgabe

Im Erdgeschoss des Hauses "Markt 17" gibt es an der Hausecke eine Art "Eckpfeiler".
Z = 1 + Anzahl der gleich großen, vertikal angeordneten Quader dieses Pfeilers (Z ist ungerade)

Sie haben alle Stationen geschafft? Alle Rätsel sind gelöst? Dann können Sie auf Schatzsuche gehen.