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Station 4: Maschinenbau

N 50° 49.502 E 012° 32.377 - Fa. Rucks, Auestraße 2

Vor der Industrialisierung, bis ca.1850, wurde noch hauptsächlich in Manufakturen gefertigt. Man arbeitete mit der Hand und mit sehr einfachen Maschinen. Diese bestanden oft aus Holz oder geschmiedeten Teilen.
Mit steigender Produktion benötigte man mehr Bauteile mit höherer Festigkeit, geringerer Abnutzung und schnellerer Herstellbarkeit. Deshalb wurde während der Industrialisierung Gusseisen zum wichtigen Konstruktionswerkstoff. Durch den neuen Formenguss konnten aufwendig geformte Teile zügig hergestellt werden.
Erste Maschinenfabriken zur Produktion entstanden, wie in Glauchau 1841 die „Maschinenfabrik Carl Hedrich" zur Herstellung von Zahnrädern. Diese bestanden zuerst aus Holz, dann wurden sie mit Gussringen verstärkt und später aus Stahl hergestellt. Dafür brauchte man eine Eisengießerei.

Auf Hedrichs Empfehlung gründeten Benjamin Friedrich Rucks und Franz Friedrich Wilhelm Schmeißer 1843 die erste Eisengießerei auf der ehemaligen „Eselswiese". Die Firma arbeitete mit Tiegel- und Kupolöfen und stellte Gusserzeugnisse her.
Interessanterweise kam es schon damals zum Streit über Technologien und Vorherrschaft – Samsung, Apple und Co lassen grüßen.
Im Detail: Die Obererzgebirgischen Hammerwerke fürchteten wahrscheinlich die neue Konkurrenz. 1844 gingen sie entsprechend Berggesetz gegen die Nutzung von Kupolöfen in Gießereien vor und brachten das junge Unternehmen in große Schwierigkeiten.
1847 klärte man den Streit: Die Gießereien durften kein Roheisen herstellen, sondern dienten zur formgebenden Verarbeitung des Eisens in Fabriken. Somit unterlagen sie nicht dem Bergrecht und Carl Heinrich von Schönburg erteilte der Firma Rucks 1848 die Konzession zum Eisenschmelzen (gegen eine Gebühr von 10 Talern je Jahr).
Ein spitzfindiges Urteil? Konflikte wie zwischen Taxis und Uber, Hotels und AirBnB sind gar nicht so neu...
Die Eisengießerei „Rucks und Schmeißer" erweiterte sich zur Maschinenfabrik. Sie produzierte zunehmend alles, was benötigt wurde: Maschinenteile, Luftheizapparate für Färbereien, Pressöfen und hydraulische Pressen für Appreteure, Geländer, Dampfmaschinen, Mahlwerke und Pressen für Mühlen, Pumpen u.v.m..

1852 erfolgte die Trennung des Unternehmens in die Eisengießerei Schmeißer (in Lindenstraße verblieben) und die Maschinenbaufirma Rucks, welche nachfolgend an den heutigen Standort, direkt an die Mulde, verlegt wurde. Ein 5,20 m großes Wasserrad trieb fortan über Transmissionen die Maschinen an.

Später konzentrierte sich Rucks auf die Produktion von Pumpen und hydraulische Pressen für Webereien und Appreturanstalten. Er erfand die erste hydraulische Presse, die den Höchstdruck automatisch begrenzt. 1885 erhielt Rucks dafür das Patent 30375 vom Kaiserlichen Patentamt. Zunehmend nutzte fast jede Appreturanstalt in Westsachsen diese hydraulischen Pressen der Fa. Rucks.

Später folgte die Weiterentwicklung zur hydraulischen Dampfplattenpresse mit dampfdurchströmten Heizplatten. Somit mussten die Heizplatten nicht mehr außerhalb der Maschine erhitzt werden. Neben der Textilindustrie kam die gummi- und holzverarbeitende Industrie als Abnehmer hinzu. 1932 begann der Bau von Strumpfformmaschinen für Kunstseidenstrümpfe.

Nach dem Krieg wurde die Firma beschlagnahmt. Anders als bei vielen anderen Betrieben, gab man die Firma 1946 zurück an die Familie. Der Grund: Die Haltung der Fam. Rucks in der Nazizeit.

1972 erfolgte die Verstaatlichung zum „VEB Pressenbau Glauchau". Das Unternehmen spezialisierte sich weiter im Pressenbau und war in der DDR Alleinhersteller für hydraulische Pressen mit 400-2600 t Presskraft für die plast-, elast- und holzverarbeitende Industrie. Ab 1955 wurden u.a. Pressen zur Duroplastwerkstoff-Herstellung für den PKW „Trabant" (bis 1989) produziert. 1992 erfolgt die Rückübertragung des Unternehmens.

Heute stellt „Rucks Maschinenbau GmbH" modernste Pressanlagen für vielfältigste Anwendungen her (z.B. zur Kunststoffbearbeitung, Reifenindustrie, auch für Automobilzulieferindustrie).

Aufgabe

Links des großen Fassadenbildes ist ein blaues Tor mit einem stilisierten schwarzen Buchstaben. Der wievielte Buchstabe im Alphabet ist es?
E = Quersumme der Position des Buchstabens im Alphabet
Der Maler des Fassadenbildes hat sich links unten verewigt.
F = wieviele Buchstaben hat sein Name

Weiter geht´s zurück zum Leipziger Platz, 40 m in die Mühlgrabenstraße.

Rechts sehen Sie eines der ältesten Stadtbäder Deutschlands - leider ungenutzt (N 50° 49.452 E 012° 32.546).
Links geht ein schmaler Pfad hoch zur Webschule.

Weitere Bedeutende Firmen waren:

1843 Eisengießerei Schmeißer, Lindenstraße, später Auestraße 34
• Ab etwa 1862 Eisengießerei und Maschinenbetrieb
• Ab ca. 1868 geht Unternehmen an Edmund Oskar Winter und Karl Gottlieb Partzsch und heißt „Carl Klinger, Nachf."
• Später Konzentration auf Herstellung von Maschinen für Textilindustrie
• 1921 Herstellung von Webstühlen und Schaufelschaftmaschinen sowie deren Ersatzteile und Zubehör, Schneidmaschinen für Teppiche und Maschinen für die Chenille Produktion
• 1948 Betriebsenteignung, 1954 Bestandteil des Getriebewerkes Glauchau als Werk II
• Stilllegung, 2009 Abriss

1862 Webstuhl-, Jacquardmaschinen und Webutensilienfabrik Hermann Gentsch, Bahnhofstraße 4
• Textilmaschinenbau mit weltweitem Ruf
• Herstellung ab 1870 Jacquardmaschinen, ab 1880 Webstühle, und Schaftmaschinen, 300 Mitarbeiter
• erlangte Spezialmaschinenpatente mit Weltruf: automatische Fadenhinreichmaschine, die Fadenanknüpfmaschine, die Webketten-Andrehmaschine und die Fadenkreuz-Einlegemaschine
• 1938 Verkauf an die Mechanische Weberei Förster aus dem Mülsengrund

1883 Wotan & Zimmermann Werke AG, Meeraner Str. 23
• 1883 Gründung durch Maschinenbauer Theodor Keil als Zeugschmiederei / feinmechanische Werkstatt in der Leipziger Straße
• 1899 Übersiedlung in neu gebautes Werk an der Meeraner Straße, Betriebsname Deutsche Maschinen- und Werkzeugfabrik GmbH
• Konzentration auf die Herstellung von Shaping-Hobelmaschinen für In- und Ausland
• 1909 Bestandteil der „WOTAN WERKE AG"
• 1929 Zusammenschluss zu „WOTAN und ZIMMERMANN WERKE AG", Produktion der Schleifmaschinen in Glauchau festgesetzt, teilweise weltführende Entwicklungen
• 1945 Werk auf Grundmauern demontiert und nach Krieg wiederaufgebaut
Heute: Werkzeugmaschinenfabrik Glauchau GmbH, Dieselstr. 2, Hersteller für universelle Schleifmaschinen