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Station 3: Fahrzeugbau

N 50° 49.265 E 012° 32.939 - Stellmacherei Dietzsch – D.-Bonhoeffer-Str. 5

Die erste „Droschke ohne Pferde" besaß Oberlehrer Herr von Einsiedel, Lehrer am Realgymnasium. Es war das erste Automobil in Glauchau und das 2. in Sachsen. Am 27.12.1894 bekam er seine „Benzine" von der Firma Benz aus Mannheim geliefert.
Damals lernte noch ein Mitarbeiter der Fa. Benz die neuen Wagenbesitzer im Bedienen und Fahren des Automobils an. Als Brennstoff wurde Benzin aus der Apotheke benutzt. Diese interessante Erzählung aus längst vergangenen Zeiten finden Sie hier.

Zeitgleich gründete Stellmachermeister und Wagenbauer Karl Ernst Dietzsch die gleichnamige Stellmacherei auf dem Kupferberg 2. Er legte den Grundstein für den Fahrzeugbau in Glauchau. Dietzsch produzierte Wagenteile aus Holz bis hin zu ganzen Kutschen. 1907 zog die Firma, wahrscheinlich aus Platzgründen, in die Kratzstr. 5 (dem hiesigen Standort).
Nach und nach entwickelte sich der Fahrzeugbau, und die Stellmacherei stieg in den Karosseriebau für Automobile und Nutzfahrzeuge ein. Sie nannte sich ab 1915 „Karosseriefabrik Ernst Dietzsch" und ab 1924 „Ernst Dietzsch Karosseriewerke GmbH Glauchau".
Im Buch „Weltplätze des Handels und der Industrie" von 1924 steht: Dietzsch baut die „feinsten Luxus- und die praktischsten Last- und Geschäftswagen ... in modernster Ausführung". Automobilmarken wie Auto Union, Dixi, Mercedes-Benz, Nationale Automobil-Gesellschaft (NAG) und Presto ließen bei Dietzsch in Glauchau ihre Fahrzeuge in großen Stückzahlen fertigen. Im Nutzfahrzeugbau waren dies NAG und Hansa-Lloyd.

Dietzsch stieg auch in den Handel mit Kraftfahrzeugen ein. Er gründete mit seinem Companion die Kraftfahrzeug-Gesellschaft „Dietzsch & Kießling mbH" und verkaufte die Marken Presto (aus Chemnitz), Vomag (Vogtland) und AGA (Berlin).

1947 wurde die „Ernst Dietzsch Karosseriewerke GmbH Glauchau" zum VEB verstaatlicht. 1953 erfolgte die Fusion mit der Meeraner Karosseriebaufirma Hornig zum „VEB IFA Karosseriewerk Meerane". Glauchau bildete den zweiten Fertigungsbereich und fertigte weiterhin Baugruppen für den Fahrzeugbau. Zu ihnen gehörten Fahrerhäuser für verschiedene LKWs, Krankabinen für Raupendrehkräne, Kofferaufbauten für den Barkas B1000 sowie gestanzte Metallteile für den Karosseriebau.

Carl Hedrich ist ein weiterer Unternehmer dieser Zeit.
In der Schlossmühle gründete er bereits 1841 die 1. Maschinenfabrik Glauchaus „Hedrich & Stockhausen". Sie stellte zuerst Zahnräder für her, die in Mühlen und den aufkommenden Manufakturen eingesetzt wurde. Diese Zahnräder waren anfangs aus Holz, später wurden sie mit Gussringen verstärkt und schließlich komplett aus Metall gefertigt.
Die Zahnradfabrik zog ca. 1845 in den Wehrgarten am Hedrichwehr. Auf Grund der großen Nachfrage der sich rasant entwickelnden Industriebetriebe erfolgte 1916 der Ausbau der Zahnradfabrik zu einer modernen Fertigungsanlage. Das Unternehmen wächst, wird in „C. Hedrich Zahnräder- und Getriebefabrik" umbenannt und zieht 1938 in die Lindenstraße 30/31, direkt neben die Carlsmühle von Carl Hedrich.
Neben dem Zahnradbau steigerte sich die Getriebefabrikation, vor allem bei der Herstellung von Stufenrädergetriebe mit 2 bis 6 Gängen, die die konventionellen Transmissionsantriebe ablösten. Nur sehr wenige Betriebe konnten diese technisch anspruchsvollen Getriebe herstellen.
Aus diesem Unternehmen entstand im Laufe der Jahre das Fahrzeuggetriebewerk, welches nach 2004 abgerissen wurde.

Aufgabe

Drehen Sie sich um, so dass Sie die ehem. Fabrik im Rücken haben.
An der "oberen" Straßenecke sehen Sie einen runden Lichtmast. Auf halber Höhe ist ein Schild mit 2 Zahlen.
D = rechte Ziffer der obersten Zahl

Für den Fahrzeugbau braucht man Maschinen. Wir folgen dem Weg entlang der Tal- zur Auestraße.

Heute existieren noch folgende Firmen, die für den Fahrzeugbau tätig sind:

  • A. Kayser Automotive Systems GmbH u. Co. KG Glauchau, Siemensstraße 5 – Herstel-lung Dieselfilter
  • KOKI TECHNIK Transmission Systems GmbH, Boschstraße 14 – Schaltgestänge für Automobilindustrie
  • LCG Lackier Center GmbH, Weidensdorfer Str. 12
  • Rülke OHG, Auestraße - Verkaufsmittel für Industriebedarf
  • Schnellecke Logistics Sachsen GmbH (ehemals BMG), Am Schafteich 2, Full-Service-Logistik für VW Sachsen
  • ATC-Autotechnik Center GmbH, Am Schafteich 1, für Sonderzubehör und Einbau von Zusatzeinrichtungen
  • SAT-Sächsische Autotransport und Service GmbH, Am Schafteich 1, mit 20.000 m² Lagerfläche für PKW
  • IDH Anlagen und Montagebau GmbH, Meeraner Straße 25, Anlagen- und Behälterbau für Automobilindustrie