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Station 2: Näherei

N 50° 48.765 E 012° 32.614
Klapphutfabrik Felix Weißbach und Konfektionsbetrieb "W. Hartenstein & Co." – Schönburgstr. 40

Nachdem in der ersten Tour die Stoffherstellung beleuchtet wurde, sollen nun die Stoffe verarbeitet werden.

1889 gründete Felix Weissbach in der Brüderstraße 17a eine Klapphutfabrik. Der gelernte Hutmacher war, wie man das früher tat, zuvor auf Wanderschaft bis nach Frankreich unterwegs gewesen. Er hatte verschiedenen Hutmachern bei der Arbeit über die Schulter geschaut und mit ihnen gearbeitet. Dort entdeckte Weissbach die neuartigen, klappbaren Hüte.

Diese wollte er in besserer Qualität fortan in der eigenen Fabrik herstellen. Die Klapphüte wurden der absolute Renner. Schon 1896 verlegte Weissbach die Produktion (inkl. Seidenweberei und Näherei) in die neu gebaute Fabrik in der Schönburgstraße. Auch seine Villa ist dort.

Weissbach legte den Grundstein für eine neue deutsche Industrie. Sein Unternehmen mit 550 Mitarbeitern entwickelte sich zur größten Klapphutfabrik Europas, wahrscheinlich sogar der Welt. Nach dem ersten Weltkrieg kamen weltweit 75 % aller Klapphüte aus Glauchau. Im zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen wie viele andere auch zur Rüstungsproduktion gezwungen. Dem folgte nach dem Krieg die Enteignung. So ging Felix Weissbach 1952 in die Bundesrepublik.

Die Gebäudedecken konnten die zunehmend schwereren Webmaschinen nicht mehr tragen.
Deshalb wurde die Weberei aufgegeben. 1955/56 zog die Firma „Hartenstein & Co." aus der Schlachthofstr. 31 (heute GAB) hier ein. Der Konfektionsbetrieb produzierte schwere Damenoberbekleidung wie Jacken und Mäntel. Das Unternehmen wurde volkseigener Betrieb (VEB) und ab 1956 VEB Damenbekleidungswerk Glauchau.

Im Dezember 1956 brannte das Bekleidungswerk lichterloh, einer der größten Brände in Glauchau. Der neue Firmensitz wurde fast komplett zerstört. Ein Teil der Maschinen und Waren konnten gerettet werden, u.a. auch Schiebermützen. Sie waren gut vom Löschwasser durchweicht, jedoch nach dem Trocknen noch tragbar.
Zum Wegwerfen viel zu kostbar, verkaufte man z.B. die Schiebermützen für 50 Pfennige im Modehaus Götz (Leipziger Str. 9/11). Im Volksmund nannte man sie die „50er Schiebermütze". Bereits einen Monat später wurde die Produktion in unbeheizten Behelfsräumen wieder aufgenommen... 1957 war der Wiederaufbau abgeschlossen.

Der Betrieb wurde zum VEB Quintett Moden und vereinte fünf große Konfektionsbetriebe der Region (der Name kam von der Zahl der fünf Werksteile). 1957 beschäftigte er 1300 Mitarbeiter und produzierte jährlich ca. 300 000 Stück Damenoberbekleidung fürs In- und Ausland (1984 sogar 560 TStck).

Genäht wurde mit modernster Technik. Der Betrieb erhielt zur Leipziger Messe dreimal die Goldmedaille für hervorragende Erzeugnisse und stattete 1988 die Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen aus. Mit der politischen Wende kam auch das Aus für dieses Unternehmen.
1997 wurde das Werk abgerissen und ein Einkaufsmarkt errichtet.

Aufgabe

Schauen Sie sich die Villa Weißbach an.
B = Anzahl der ovalen (elliptischen) Fenster auf der Nordost-Seite
C = Anzahl der runden Säulen auf der Nordwest-Seite (Seite zur Sonnenstraße)

Nun führt der Weg die Sonnenstraße entlang und weiter Richtung Bürgerheim

Lassen Sie sich vom prachtvollen Bürgerheim (N 50° 49.191 E 012° 32.853) beeindrucken. Ein schön verziertes Dach, nicht wahr?
Lesen Sie die Inschrift über dem Eingang - sie passt zum damaligen (und jetzigen Zweck).

Sie müssen nun nichts weiter tun, als in die Arndtstraße abzubiegen.

Weitere Bedeutende Firmen waren:

1879 Max Boessneck Tricotagenfabrik Glauchau, Bahnhofstraße 3
• 54-67 Mitarbeiter
• Versand „besserer" Trikotagen Q19 S. 45
• Dritter Sohn vom Ernst Boessneck

1892 Hermann Ziegler & Sohn, Lindenstr. 36,
• Fabrikation von Damenkleidung und Blusen
• Zuerst Weberei später Näherei

1911 Ernst Lindner Klapp- und Seidenhutfabrik, Kratzstr. 1 (jetzt Bonhoeffer-Str.)
• Lindner war bei Felix Weissbach in die Lehre gegangen

Fa. Heinrich Hase, Große Weberstr. 16
• Ab ca. 1935 in der Großen Weberstraße 16
• Hauptbetrieb in Callenberg
• Trikotagenwerk

Bohn & Breitfeld, Damenkleiderfabrikation, Hoffnung 2,3
• Als Bierpalast gebaut,  1921 an Bohn- und Breitfeld verkauft
• 70'ger VEB Quintett Moden (in der Wende Ausbildungsstätte Quintett)