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Station 4: Garnherstellung

N 50° 49.495 E 012° 32.469 -  Baumwollzwirnerei Blucke, Leipziger Platz 8

Was steht am Anfang eines Stoffes? Richtig, das Garn.

Gesponnen wurde schon vor vielen hundert Jahren mit einer Spindel, so wie die 13. Fee bei Dornröschen. Mit zunehmendem Garnbedarf begann man im 18. Jh. Garne maschinell herzustellen.Zu Beginn verarbeitete man ausschließlich Naturfasern, wie Baumwolle, Flachs, Tierwolle oder Seide. Bei der Garnherstellung aus Wolle z.B. wurden zuerst die Wollsorten gereinigt und bei Bedarf gemischt (Wolferei), in lange und kurze Fasern getrennt (Kämmen), parallel gelegt (Krempelei) und anschließend die Fasern zu einem Garn verdreht. In der nachfolgenden Zwirnerei verdrehte man mehrere Garne und es entstand ein fester Zwirn. Weil schon vor dem 2. Weltkrieg die natürlichen Fasern weltweit den Bedarf der Textilindustrie nicht mehr decken konnten, begann man synthetische Fasern aus Polyamid (1938) und Polyester (1947) zu entwickeln.

Die zahlreichen (Haus-) Webereien in Glauchau benötigten in großem Umfang Garne und Zwirne. So entstand in Glauchau 1824 die erste Fabrik „Manufakturgesellschaft und Spinnerei Seydel & Söhne" in der Straße „Hoffnung". Viele weitere folgten. 1864 eröffnete Kaufmann Pfefferkorn die Kammgarnspinnerei „Pfefferkorn & Co." (wahrscheinlich in der Schlossmühle). Später wurde daraus Pflüger & Strübell, aus der die große Kammgarnspinnerei (An der Spinnerei) hervorging. Zur Herstellung von Kunstseide und später von Zellwolle entstand 1923 die „Spinnstoffwerke Glauchau AG" in der Waldenburger Straße (heute BMG GmbH).

1929 gründete Ludwig Blucke eine Baumwollfeinzwirnerei und zog in die Fabrik der ehemaligen Firma Alexander Nouvortné (einst Gummibandweberei für Hosenträger und Strumpfbänder) hier auf dem Leipziger Platz 8 ein. Fortan wurden Stopf- und Häkelgarne hergestellt. Nach dem 2. Weltkrieg entstand aus dieser Firma der VEB Feinzwirnerei Glauchau bzw. VEB Feinzwirnerei Sachsenring Glauchau. Man erweiterte die Produktion auf Webzwirne für Möbel- und Jeansstoffe, für Gardinen und Dekostoffe. Heute beherbergt das Gebäude die chirurgische Praxis Dr. Hahn und die HNO-Praxis von Dipl.-Med. Schmidt.
Wer kennt nicht den Ausspruch „Ein Anzug aus feinem Zwirn"? Der Spruch kommt aus der Textilindustrie und steht für eine gute Stoffqualität.

Heute gibt es in Glauchau keine Garnherstellung mehr.

Aufgabe

Sie stehen vor einem repräsentativen Gebäude. Schauen Sie sich die rechte Seite an (Osten).
E = Anzahl der Fenster der obersten Etage
F = Anzahl der Säulen in den Fenstern der Etage darunter.

Glauchaus Textilien waren in der ganzen Welt berühmt. Wie kamen sie dahin? Richtig: Weiter geht es zum Bahnhof.

Weitere bedeutende Firmen

Fa. Pfefferkorn & Co. (1864 gegr.), später Pflüger & Strübell und Kammgarnspinnerei - An der Spinnerei

Spinnstoffwerke Glauchau AG (gegr. 1923) - Waldenburger Straße

Drahota & Martin (gegr. 1920) - Färberstraße 29