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Geschichte der Stadt Glauchau

Wehrdigt um die Jahrhundertwende - Historische PostkarteWehrdigt um die Jahrhundertwende - Historische Postkarte Gründelteich mit Schloss - Historische PostkarteGründelteich mit Schloss - Historische Postkarte SchlösserkomplexSchlösserkomplex

„Der sorbische Name für Glauchau „Gluchowe" 1240 erstmals urkundlich erwähnt, bedeutet so viel wie still. Er bezieht sich vermutlich auf einen ruhigen Seitenarm der Zwickauer Mulde vor dem Stadtberg, an dem sorbische Fischer gute Bedingungen für ihr Gewerbe fanden. Zwischen dem Fluss Mulde und dessen Seitenarm, aus dem sich Mühlgraben, Gründelteich und Schlossteich entwickelten, befand sich eine Insel, mit der Bezeichnung Wehrdigt.

Nach der Unterwerfung der Sorben durch deutsche Kolonisatoren ließ Hermann von Schönburg um 1175 die Burg Gluchowe als Vorgänger des Schlosses Hinterglauchau errichten. Die Schönburger erwarben neben der Herrschaft Glauchau und Lichtenstein auch die Bereiche Meerane und Waldenburg, sowie die Grafschaft Hartenstein. Als Stadt-, Grund- und Landesherren besaßen sie die Gerichtsbarkeit und sorgten für einen planmäßigen Ausbau der Stadtanlage Glauchau. Die Gefolgsleute der Herren von Schönburg siedelten im Wehrdigt und auf der Anhöhe neben der Burg.

Dieser Stadtberg, einschließlich Burg war mit einer Ringmauer umgeben, durch welche das Mühl-, Mittel- und Obertor führten. Die Hangkante zum Mühlgraben, der innere Stadtgraben am Schulberg und der Hirschgraben am Schloss und der St. Georgenkirche wurden als Schutz ausgenutzt. Der Zwinger schützte mit einer Doppelmauer vor der höher gelegenen Südostseite. Unterirdische Gänge waren zunächst in die Schutzanlagen einbezogen, doch dienten sie eher der Vorratslagerung und Baumaterialgewinnung.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts gewann die aus Handwerkern, Kaufleuten und Kleinhändlern bestehende Oberschicht Einfluss auf das Kommunalwesen. Die Geschichte des Rathauses geht auf das Jahr 1400 zurück. Es war gleichzeitig Kaufhaus, Salzschank, Ratskeller und Tanzsaal. Stadtbrände von 1630, 1712 und 1813 vernichteten auch das Rathaus. Seit 1819 ist es in der jetzigen Form wieder aufgebaut, zuletzt wurde es 1997-2002 von Grund auf saniert.

Die Stadtflur Glauchaus wurde zur Hälfte durch das Haus Schönburg, zur anderen Hälfte durch Handwerker und Landwirtschaft betreibende Ackerbürger genutzt. Im regen Wirtschaftsleben stand bereits im 14. Jahrhundert das Tuchmacherhandwerk im Vordergrund. Am Mühlgraben betrieb man Mahl-, Walk- und Papiermühlen, sowie Hammerwerke. 1528 nahmen Leineweber den Innungsbrief von Ernst II entgegen.

Stadtbrände, Hochwasser, die Pest, Kriege und Missernten behinderten immer wieder die Entwicklung. Auch die finanziellen Verhältnisse waren sehr bescheiden. Glauchau lag an keinem besonderen Handelsweg. Die Bevölkerungszahl blieb bis zum 19. Jahrhundert weit unter 3000 Einwohnern.

Als herausragende Persönlichkeit ist Georgius Agricola zu nennen. Als Sohn einer Glauchauer Tuchmacherfamilie erwarb er sich große Verdienste als Vater der Mineralogie, Arzt, Politiker, Lehrer und Historiker.

Die industrielle Entwicklung begann 1824 mit dem Aufstellen der ersten Spinnmaschinen. In dieser Zeit waren halbwollene Westenstoffe aus Glauchau begehrt. Bis 1880 sind 34 Manufakturgeschäfte gegründet worden. 1864 kamen die ersten mechanischen Webstühle zur Aufstellung. Färbereien und Appreturen dienten der Textilveredlung und verhalfen den Waren aus Glauchau zu weltweitem Ruhm. In dieser Zeit wuchs Glauchau zur fünft größten Stadt in Sachsen. Die europäische Konkurrenz veranlasste die Produzenten in Glauchau immer die attraktivsten Stoffe herzustellen, was einige Zeit gelang. Später legte man den Schwerpunkt auf preiswerte Textilien in großen Mengen.

1858 brachte der Eisenbahnanschluss an die Strecke Chemnitz-Zwickau einen großen Fortschritt. Dabei entstand auch die Eisenbahnstrecke nach Gößnitz, 1875 folgte die Muldentalbahn. Ab 1857 begann die Wasserversorgung aus einer zentralen Leitung. So etwas hatte in dieser Zeit in Deutschland nur die Stadt Hamburg. 1858 war die Inbetriebnahme des Gaswerkes am Schützenplatz. 1909 ist das Elektrizitätswerk fertiggestellt worden, neben dem sich seit 1896 der Schlachthof befand. Soziale Leistungen waren 1901 die Eröffnung des Stadtbades als erstes Hallenbad Sachsens. 1926 folgte das Sommerbad. Seit 1900 besteht das Bürgerheim.

Die heutige Schullandschaft begann 1859 mit der Dittesschule, welcher 1868 die Lehngrundschule, 1860 das Berufsschulzentrum am Schillerpark, 1878 die Wehrdigt- und Realschule, 1902 die Pestalozzischule, 1927 die Hans-Beimler-Schule, 1954 die Ingenieurschule für Anlagenbau, ab 1956 die Erich-Weinert-Schule, 1975 die Rosariumschule, 1980 die Sachsenalleeschule und 1997 das überbetriebliche Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft folgten.

An geistigen Gebäuden wurden um 1104 die St. Nikolai-Kapelle im Straßenknick Brauhausgäßchen / Fischergasse und 1256 die St. Georgenkirche genannt. Letztere war 1712 im Stadtbrand zerstört worden und ist seit 1726-28 wieder aufgebaut. Die Gottesackerkirche stand 1582-1911 auf dem Schillerplatz. Die Lutherkirche besteht seit 1909 und die katholische Kirche St. Marien seit 1956.

Das Stadttheater entstand 1922 aus dem Theaterlokal. Nebenher bestanden drei Lichtspieltheater. Ab 1923 folgte über die fertiggestellte Scherbergbrücke der Ausbau in Richtung Bahnhof, der 1913-1926 umgestaltet worden ist. 1937 bekam Glauchau eine Anbindung an die Autobahn. Schon 1914 war die Kaserne und daneben das neue Krankenhaus zu finden.

Die Bezeichnung Stadt auf 7 Hügeln war nur für die Zeit um 1920 gerechtfertigt. Sie bezieht sich auf den Schloß-, Stadt-, Niklas-, Scher-, Gottesacker-, Kupfer- und Gründelberg.

Verursacht durch knappen Wohnraum entstanden Siedlungen in Richtung Carolapark und Gesau. (...)" 1965 bis 1981 sind die Robert-Koch-Siedlung, die Albert-Schweizer-Siedlung, sowie die Bereiche der Hufelandstraße und die Sachsenallee sowie nach der Wende das Wohngebiet Louis-Lejeune-Straße als neue, große Wohngebiete hinzugekommen.

„Bereits 1831 vollzog sich eine Ortszusammenlegung mit der Vorstadt und der Oberstadt. 1925 willigte Gesau einer Angliederung ein. Dem schlossen sich die Stadtteile Rothenbach mit Albertsthal, sowie Höckendorf und Schönbörnchen im Jahre 1929 an. 1937 kam Jerisau zu Glauchau und 1974 Lipprandis. Letztlich haben sich 1992 die Gemeinden Niederlungwitz mit Elzenberg, Reinholdshain mit Ebersbach und Kleinbernsdorf, sowie Wernsdorf mit Hölzel und Voigtlaide unter die Verwaltung von Glauchau gestellt.

Die industrielle Entwicklung in der Unterstadt, zu der sich neben der Textilindustrie auch der Maschinenbau und Chemiebetriebe herausgebildet haben, führten zu wirtschaftlichen Fortschritten, aber auch zu erheblicher Belastung der Umwelt und Verschlechterung der Wohnbedingungen. Nach 1989 sind viele Betriebe und Wohngebäude abgebrochen worden. Neue Gewerbegebiete entstanden an den Rändern der Flussauen. Zur Hochwasserableitung ist bereits 1927-32 die Flutrinne um die Unterstadt herum gebaut worden. Zulieferbetriebe für das benachbarte Volkswagenwerk haben die Textilindustrie weitgehend abgelöst. 1994 erhielt die Stadt den Status Große Kreisstadt. Eine Sanierung der ältesten Stadtbereiche hat begonnen. Neben dem historischen Rathaus wurde 1995 der neue Ratshof, das Bürger- und Kommunikationszentrum eingeweiht. (...)"

Quelle: Fachverlag für Geschichte und Wirtschaft (Mittelstr. 15, 04509 Schönwölkau)